Forrest Gump


“not see the for(r)est for the trees”

“den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen”


“not see the for(r)est for the trees” | 2015 | 110 x 110 cm | Assemblage | Holzplatte, Gips, Modellbäumchen und -figürchen, Grasmatte, Acryl

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Tagblatt Online: 3. September 2015, 02:40 Uhr

Die Perspektive entscheidet

Tom Hanks vor lauter Bäumen nicht sehen: Das neuste Werk von Domenic Lang dreht sich auf faszinierende Weise um dieses Thema.

Der St. Galler Künstler Domenic Lang hat mit Hilfe von Miniaturfiguren ein Porträt von Forrest Gump erschaffen. Dieses ist in der Galerie Sonja Bänziger ausgestellt. Gemeinsam mit Legogemälden und einem interaktiven Aquarium.

KATHRIN REIMANN

Wer ganz nahe rangeht, erkennt ein Liebespärchen, Jäger, die hinter Bäumen versteckt auf Rehe zielen, einen Schafhirten mit Herde, Hügel, Wälder, Bäume, Wiesen, Kühe, Hirsche, Wildschweine, Zäune und Steine. Ist man weit genug entfernt, verwandelt sich Domenic Langs vermeintliche Landschaftsidylle plötzlich in Forrest Gumps Konterfei. «Viele Leute erschrecken, wenn sie erkennen, was sie sehen», sagt der St. Galler Künstler. Über ein Jahr hat der 31-Jährige an dem Porträt mit dem Titel «not see the for(r)est for the trees» oder zu deutsch: den Wald (oder eben Forrest) vor lauter Bäumen nicht sehen gearbeitet.

Porträt eines Naturverbundenen

Inspiriert hat ihn eine Fahrt durch das Tessin. «Die Wälder dort erinnerten mich an eine Modelllandschaft, wie man sie von Miniatureisenbahnen kennt», sagt Lang. So entstand die Idee, ein Porträt eines naturverbundenen Menschen in Form einer solchen Landschaft zu erschaffen. Dass die Wahl dabei auf Forrest Gump – Tom Hanks’ Paraderolle im gleichnamigen Film – fiel, lag vor allem an dessen Namen. «Ich könnte mir aber auch vorstellen, ein solches Porträt vom naturverbundenen Albert Nufer anzufertigen.»

Diese Arbeit ist nicht die erste, bei der sich der St. Galler Künstler Elemente aus der Kindheit bedient. «Ich habe bereits mehrere Werke aus Legosteinen gefertigt.» So sind in der Galerie Sonja Bänziger derzeit auch drei Landschaftsbilder aus einzeln eingefärbten Legosteinen zu sehen: der Central Park in New York, das Landwasserviadukt in Graubünden und das Kolosseum in Rom. Als Ausgangspunkt der Werke verwendete Lang «Google Street View». Mit insgesamt 12 420 Legosteinen baut er die verpixelten Dateien minutiös nach und erschafft so die Stilform des Lego-Pointillismus. «Auch bei diesen Werken entscheidet die Perspektive, von nahem ist es einfach Lego, erst aus der Distanz erkennt man die Landschaft.»

Materialien mit Spassfaktor

Domenic Lang, der 2012 seinen Zivildienst in der Kunstgiesserei im Sitterwerk absolviert, entwickelt dort die Idee, sich für seine Werke nach anderen Materialien als nur Farbe und Papier umzusehen. Bald stösst er auf solche aus seiner Kindheit. «Die Arbeit mit Lego oder mit Modelllandschaften macht Spass, und dieser ist wichtig, um den Ehrgeiz bei der Arbeit im Atelier zu erhalten», sagt Lang, der bildnerisches Gestalten in Teufen unterrichtet. Für seinen Forrest Gump sucht er unzählige Male ein Geschäft für Modelllandschaften auf und tüftelt und experimentiert mit den Elementen dieser Landschaften, um das Gesicht des Porträtierten zu modellieren. So werden Jäger zu Glanzpunkten in den Augen und Zäune geben dem Hemd einen Kragen.

Das beeindruckende Resultat hat Domenic Lang Tom Hanks bereits zukommen lassen. Leider wartet er nach wie vor auf eine Antwort des Hollywood-Stars. «Aber es wäre sowieso schwierig, das Werk in die USA zu transportieren: Es ist sehr fragil.»

Reaktionen auf Geräusche

Bis zum 18. September sind Domenic Langs Werke gemeinsam mit denen von Alano Edzerza und Markus Buschor in der Galerie Sonja Bänziger unter dem Titel «Other Perspectives» ausgestellt. Nebst Forrest Gump und den Legobildern sind auch mehrere Ölbilder von Lang zu sehen. Ausserdem hat er für die Museumsnacht eine spezielle Installation vorbereitet: Dann verwandelt sich der Galeriekeller in eine Mischung aus Aquarium und mystischer Wald, die auf die Geräusche der Besucher reagiert. Der Künstler ist am Samstag in der Galerie vor Ort.

«Other Perspectives» bis 18. September, Galerie Sonja Bänziger

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